Kurzgeschichten

Der Anfang

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Einst gab es keine Welt, welche aus fester Materie bestand. Energien existieren, verschmolzen und erloschen wieder. Eine dieser Energien wurde immer größer und mächtiger, bis sie ein Bewußtsein erlangte. Diese Energie wollte nicht mehr vergehen und beschloß einen Behälter für sich zu erschaffen, indem ihre Energien gesammelt und bewahrt werden könnte. So erschuf diese Energie eine Welt mit festen Formen.
Die Welt war schön und so wollte die Energie ihre Welt mit anderen teilen, die ebenfalls in der Lage waren ein Bewußtsein zu entwickeln. Sie gab ihnen einen Funken der eigenen Energien und eine Hülle in der sie leben konnten. Später bekamen diese Funken den Namen Engel. Sie hatten die Aufgabe die neue Welt zu beleben, sie zu hüten und zu beschützen. Einer dieser ersten Funken nannte sich Maja. Sie und ein weiterer Funken namens Laila hatten sich angefreundet und erlebten somit als erste eine der größten Eigenarten eines Körpers: Sie hatten Gefühle. Schnell breitete sich diese neue Erfahrung bei den noch jungen und unerfahrenen Funken aus.

„Versuchst du noch immer Energien zu sammeln?“, fragte Laila intereßiert und bückte sich über die wirbelnden Fäden in Majas Hand. Immer wieder, wenn diese Fäden eine Kugel bilden wollten, lösten sie sich auf und verschwanden im Nichts. Enttäuscht ließ Maja ihre Hände sinken und blickte zu Laila auf.
„Ich weiß einfach nicht was ich falsch mache! Diesmal habe ich mich so sehr konzentriert.“ Laila griff Maja am Arm und half ihr aufzustehen.
„Vielleicht klappt es, wenn wir das zusammen versuchen?“
Maja lächelte und nickte leicht mit dem Kopf. Ein paar Strähnen ihres langen goldenen Haares fielen ihr ins Gesicht. Genervt strich sie diese wieder hinters Ohr. 'Wozu sind eigentlich diese Dinger?', fragte sie sich. Die meisten Funken sahen sich sehr ähnlich. Sie hatten langes goldenes Haar, mal glatt, mal in Locken, einige etwas heller und andere etwas zerzauster. Sie trugen einfache Gewänder aus hellen Stoffen die mit Bändern geschnürt und geschmückt waren. Der größte Unterschied bestand darin, daß einige wenige eine etwas andere Form hatten und deren Stimme sich anders anhörte. Doch diese Funken hatten eine beeindruckende Außtrahlung, welche besonders Laila feßelte. Gerade in diesem Moment kam einer der mächtigsten Funken an ihnen vorbei. Er bemerkte Lailas bewundernde Blicke nicht. Dafür merkte Maja, daß Laila nicht mehr ganz so konzentriert war, wie es ihr Versuch verlangte.
„Ich dachte du wolltest mir helfen?“, flüsterte sie fordernd und starrte Laila böse an.
„Oh, ja! Entschuldigung, wir können anfangen“, murmelte sie verlegen. Die beiden Funken legten ihre Hände aufeinander und konzentrierten sich auf ihre Energien und die ihrer Umgebung. Kleinste Fäden, so dünn wie ein Haar, schwebten herbei. Sie stießen aufeinander und wurden immer größer. Bald waren es feste Bänder, aber sie wollten sich nicht vereinen. Sie verschlungen sich ineinander und lösten sich wieder. Lailas Gesicht verzog sich vor Anstrengung, während Maja noch immer starr auf die Bänder sah. Gerade als sich wieder ein paar Bänder verknoten wollten, brach Laila die Verbindung ab und die Bänder lösten sich wieder auf. Majas Enttäuschung war deutlich zu sehen.
„Ich glaube wir gehen das nicht richtig an“, murmelte Laila.
„Und was wäre dein Vorschlag?“, wollte Maja mit erwartungsvoller Miene wißen.
„Wir versuchen alle Energien, die hier sind zu sammeln, warum versuchen wir es nicht mit nur einer Art der Energie? Die könnten wir leichter an einem Punkt konzentrieren.“ Maja nickte begeistert und streckte wieder ihre Hände aus. Zusammen suchten sie nach einer der auffälligsten Energien und begannen sie zu sammeln. Wieder schwebten kleinste Fäden herbei, die sich über den Händen der Beiden verknoteten. Schnell entstanden kleine Kügelchen, die aufeinander schoßen und noch größere Kugeln bildeten. Die beiden Funken brauchten unheimlich viel Kraft um den Prozeß durch zu halten, doch dann hatte es endlich geklappt. Eine kleine feste Kugel fiel zu Boden. Ihr inneres Leuchten vibrierte, doch die Kugel verlor nicht ihre Form.