Kurzgeschichten

Der Anfang

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Laila schaute Luzifer ungläubig an. „Ich soll andere Funken verletzten?“
Luzifer schüttelte sanft den Kopf. „Nein, wir versuchen natürlich niemanden zu schaden. Aber wenn du das Leben derer retten willst, die du Liebst, mußt du vielleicht etwas tun, was dir nicht gefällt.“ Er nahm Lailas Hand in seine. „Deine Fähigkeit könnte für uns wahre Funken entscheidend sein. Bist du in der Lage sie anzuwenden?“
Unsicher nickte Laila leicht den Kopf.
„Vorerst solltest du aber mit niemanden darüber reden, nicht einmal mit Maja. Es könnte gefährlich sein, wenn euch jemand dabei belauscht.“
Die Tür war hinter Luzifer zugefallen und nur das schwache Licht von Lailas Zauber erhellte den Raum. Der Lärm von Corinnas Feier verstummte, als Laila sich wieder bewegen wollte. Sie hatte das Gefühl ihre gesamte Welt währe über ihrem Kopf eingestürzt.

Maja sah hoch zur Bühne, wo Corinna mit ihren Freunden posierte. „Warum müßen wir bei so etwas immer mitmachen? Wir könnten die Zeit wesentlich sinnvoller nutzen“, stöhnte Maja. Ihre Blicke folgten den vielen kleinen Lichtern, die fröhlich an der Decke tanzten.
„Weil wir den Kontakt zu den anderen Funken behalten müßen. Alles was Rang und Namen hat erscheint auf Corinnas Feiern.“
Maja seufzte schwer. „Zu schade, daß du Laila nicht überzeugen konntest. Mit ihr wären diese Feiern etwas erträglicher.“ Luzifer nickte freundlich einer Gruppe Funken zu, die gerade an ihnen vorbei kam. Diese kicherten verlegen und drängten sich zwischen den Anderen davon. Plötzlich wurde es laut.
„... Wir wollen natürlich sehen was unser mächtigstes Funkenpaar zu bieten hat!“, rief Corinna und zeigte auf Maja und Luzifer, „Kommt hoch, auf die Bühne!“ Sie fing zu klatschen an, ihre Freunde taten es ihr gleich und schnell sah jeder Funken erwartungsvoll auf das Paar.
„Oh nein!“, flüsterte Maja verärgert, „Was machen wir jetzt?“
Luzifer lächelte süß und nahm sie am Arm. Gemeinsam ging er mit ihr in Richtung Bühne.
„Immer lächeln und bald ist es vorbei. Corinna hat sich keinen Gefallen getan als sie uns auf die Bühne bat.“
Maja fühlte sich sehr unwohl, als sie die Treppen empor stieg und neben Corinna zu stehen kam. Sie wirkte kleiner und unbedeutender. 'Hätte ich mir nur etwas mehr mühe mit meiner Kleidung gegeben. Wollte Corinna uns lächerlich machen?' Verstohlen sah sie zu Luzifer. Seine Kleidung war elegant und einfach jedoch nicht aufdringlich. Sogar neben Corinna war er von einer Schönheit, wie es kein anderer Funken erreichen könnte.
„Dann erweist uns die Ehre und zeigt eure Flügel, euren Zauber“, rief Corinna, streckte die Arme in die Lüfte und ging ein paar Schritte zurück.
„Bist du bereit?“, fragte Luzifer. Maja nickte.
Helles Strahlen und beeindruckendes Raunen erfüllte den Raum. Als die Funken aufblickten, sahen sie riesige goldene Flügelpaare. Sowohl Maja als auch Luzifer hatten je zwei Flügelpaare, die zu groß waren, um durch die Fensterbögen zu fliegen.
„Das ist die Gelegenheit zu verschwinden!“, flüsterte Luzifer, kaum die Lippen bewegend. Maja lächelte als sie seinen Plan verstand. Es war eine perfekte Gelegenheit ihre neuen Portale zu testen. Beide zogen ihre Flügel nach vorne und verhüllten sich in ihnen, wie in einem Kokon. Sie leuchteten kurz auf, ein Klirren war zu hören und sie verschwanden. Erschrocken stöhnten die Funken auf und auch Corinna blickte verwundert umher. Sie suchten den ganzen Raum ab, bis einer rief: „Da sind sie!“ Der Funken zeigte auf eines der Fensterbögen. Auf dem Fenstersims standen Maja und Luzifer. Das Strahlen des Lichtes machte es unmöglich ihre Gesichter zu erkennen, doch sie waren so beeindruckend, daß jeder den Atem anhielt. Mit einem Sprung zurück verschwanden sie hinter den Mauern.