Kurzgeschichten

Der Anfang

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„Ich wußte nicht, daß so viel Macht in dir steckt, Laila!“, sagte er anerkennend. „Es erfordert viel einen anderen Funken, auch wenn es ein so kleiner ist, zu beeinflußen, zu verletzten.“
„Zu verletzten?“ fragte Laila, noch immer verwirrt über die gelaßene Reaktion von Luzifer.
„Ja. Unsere Körper sind von der uralten Energie geschaffen. Niemand hat die Macht es ihr gleich zu tun oder Einfluß auf ihr direktes Werk zu nehmen. Jedenfalls war es bis heute so. Ich werde dich wohl im Auge behalten müßen.“
Elegant ging Luzifer an Laila vorbei und verschwand hinter den selben Bäumen die auch Maja mit Corinna durchschritten hatte. 'War das jetzt gut, oder ...?', dachte Laila und sah auf ihre Hände herab.

Seid dem Ereignis verbrachte Laila viel Zeit in ihrem Haus. Es war eine schlichte hohe Glocke ohne Fenster oder sonstigem Schmuck. Einzig ein Bett, ein fast leeres Regal, ein paar große Steine und eine Truhe befanden sich in dem einzigen runden Raum. Hohe Häuser waren sehr beliebt geworden, seid die Funken die Fähigkeit entwickelt hatten auf ihren Rücken, für eine gewiße Zeit, große Schwingen entstehen zu laßen, mit denen sie in die Lüfte hoben. Jeder Funken übte das Fliegen, es gab Wettbewerbe und bald auch große Feiern wo sie ihre verschiedenen Flügelformen präsentierten.
Lailas Flügel waren rabenschwarz und kleiner als die der anderen Funken. Sie übte auch nicht besonders viel sondern versuchte ihre seltsame Macht zu trainieren, mit der sie Corinna verletzt hatte. Auch Maja zeigte wenig Intereße ans Fliegen. Sie wollte versuchen so mächtige Energiekristalle zu entwickeln, daß es mit ihnen möglich sein sollte, ihr Reich um einiges zu vergrößern. Luzifer war von Majas Fortschritten sehr begeistert.
Laila hatte geschlafen, als lauter Lärm sie weckte. Die Funken hatten wieder mal eine Feier angesetzt. Es war Corinna, die auf eine Bühne getreten war und alle aufforderte mit zu machen. Schwungvoll präsentierte sie ihr langes Gewand, welches tausende kleiner Ornamente besaß und im Schein des Lichtes schimmerte. Sie war ganz in Weiß und Schwarz gehüllt, was sehr in der sonst sehr bunten Menge auffiel. Ihre Haare waren auf der einen Seite strahlend blond und auf der anderen völlig schwarz. Silberner, feiner Schmuck glitzerte an ihrem Hals und den Händen. Keiner würde sie mehr als kleines Fünkchen bezeichnen wollen und doch sah Laila voller Verachtung wie Corinna sich im Tanze bewegte. Sie gab ihr die Schuld, daß ihre Freundschaft zu Maja fast erloschen war. Für einen kurzen Moment sahen sich die beiden Funken in die Augen. Ein triumphierendes Grinsen zuckte kurz in Corinnas Gesicht auf, als sie sich wieder von Laila weg drehte.
Laila sackte zu Boden. 'Wie kann nur ein so kleiner Funken über mich gewinnen?', dachte sie verzweifelt. Zu ihrem Entsetzten tauchten Maja und Luzifer auf. Ohne es zu wollen, wurde alles um Laila herum in Dunkelheit getaucht. Sie konnte nur noch ein leises Tuscheln hören. Dann verstummte es und Schritte kamen auf sie zu. Es wurde noch Dunkler als die Schritte, scheinbar neben ihr, halt machten.
„Du mußt dich nicht vor mir verstecken“, sagte eine sanfte Stimme und berührte Lailas Arm. Die Dunkelheit wich davon und Maja kam zum Vorschein. Sie lächelte lieb und setzte sich zu Laila hin.
„Wir waren einmal Freunde“ murmelte Laila. Diese Worte kamen ihr spontan in den Sinn und wollten ausgesprochen werden. Sie wünschte sich Maja noch immer als Freundin zu haben.
„Wir sind auch noch immer Freunde! Es tut mir Leid, daß ich in letzter Zeit so wenig mit dir unternommen habe, aber ich und Luzifer haben etwas unglaubliches geschafft. Ich möchte es dir zeigen.“ Maja stand wieder auf und zog Laila am Arm mit. Sie verließen das wilde Treiben von Corinnas Feier und gingen tief in den Wald. Auf dem Weg sagte Maja kein Wort, strahlte aber über beide Ohren. Laila war einfach nur glücklich darüber, daß Maja wieder bei ihr war. Auf einer Lichtung hielt Maja abrupt an.