Kurzgeschichten

Der Anfang

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Maja war von allen die Begabteste. Mit Luzifers Hilfe hatte sie einen großen Teil der Wesen erschaffen und benannt. Ihr ganzes Sein wappnete sie der Gestaltung von Energien und deren Pflege. Laila bewunderte sie dafür, doch vermißte sie ihre Freundin oft. Von weitem sah sie ihr und Luzifer zu. Es waren wohl die beiden mächtigsten Funken im ganzen Reich. Sie hätte gerne dazu gehört.
„Du bist ihnen einfach zu mickrig“, sagte eine gehäßige Stimme hinter Laila. Schnell drehte sich Laila zu der Stimme um. Sie fühlte sich ertappt, was sie sehr verärgerte.
„Wer bist du?“, flüsterte Laila wütend.
„Und schon erkennt sie mich nicht mehr. Ich bin das kleine Fünkchen. Mein Name ich Corinna und jetzt bin ich nicht mehr klein!“ Lächelnd sah Laila auf den Funken herab. Sie war in der Tat etwas größer geworden. Die Haare waren gewachsen und hatten dunkle, fast schwarze Strähnen auf einer Seite. Auch ihre Kleidung hatte sich sehr verändert. Kaum ein Gewand war mit so aufwendigem Mustern versehen wie dieses. Obwohl sich Corinna sehr viel Mühe gegeben hatte, war sie noch immer ein kleiner Funken. Nach Lailas Meinung, hatte sie nicht das Recht sich über andere Funken lustig zu machen.
„Wenn du nicht sofort verschwindest und dein Benehmen den echten Funken gegenüber änderst, sorge ich dafür, daß dein bißchen nutzlose Energie wieder dahin verschwindet, wo es hergekommen ist!“ Zornesröte stieg in Corinnas Gesicht auf. „Was willst du machen? Jammernd zu deinen Freunden rennen, denen du selber zu nutzlos bist, als daß sie sich mit dir beschäftigen wollen?“, entgegnete Corinna grinsend und offenbar stolz über ihre Antwort. In dem Moment ballte Laila ihre Hand zur Faust, Energien strömten auf sie zu und formten eine blitzende Energiekugel, die Laila noch fester zusammen preßte. In voller Wut schleuderte sie die Energiekugel auf Corinna. Alles Licht in der näheren Umgebung verblaßte, es war fast dunkel, als Corinna panisch aufschrie.
Maja und Luzifer hörten den Schrei und sahen sich überrascht um. So ein Geräusch hatten sie von einem Funken noch nie gehört. Auch war diese seltsame Dunkelheit, hinter der Steinwand, etwas völlig neues für sie. Mit großen Schritten gingen sie auf die Dunkelheit zu, die sich langsam auflöste. Nun konnten sie eine faßungslose und geschockte Laila sehen, die auf einen kleinen Funken am Boden herb sah. Der fremde Funken lag zitternd da und hielt sich voller Schmerz die Hände auf die Brust. Die Augen hatte sie voller Entsetzten weit geöffnet.
„Laila was hast du getan?“, keuchte Maja und kniete sich neben Corinna. Sie hatte keine Ahnung, wie sie dem kleinen Funken helfen sollte.
„Ich ... ich ... hab keine Ahnung!“, stotterte Laila entgeistert. Sie blickte noch immer gelähmt auf Corinna, die langsam sich wieder aufsetzte. Maja versuchte den kleinen Funken zu stützen.
„Sehr beeindruckend“, sagte Luzifer, mehr zu sich selbst. Empört sah Maja zu Luzifer auf.
„Das ist nicht beeindruckend! Laila hätte beinahe den kleinen Körper zerstört. Wie konntest du das nur tun?“ rief Maja wütend Laila zu. Majas Blick durchfuhr Lailas Körper wie eine eiskalte Welle. Es waren zu viele Gefühle die Laila gerade verspürte und sie überforderte. Sie wollte Corinna doch nicht ernsthaft den Körper nehmen. 'Wieso ist das überhaupt paßiert?', fragte sich Laila. 'Ich beherrsche doch so eine Kraft nicht!'
Maja hatte Corinna wieder etwas beruhigen können. Sie stand auf ihren Beinen und sah Laila ebenfalls böse an. „Du wolltest mich um meinem Körper bringen!“, rief sie aufgebracht.
„Nein!“, flüsterte Laila verzweifelt.
Maja zog Corinna sanft am Arm. „Komm, ich bringe dich zu deinem Haus. Du solltest etwas schlafen.“
Laila und Luzifer sahen den beiden Funken zu, wie sie langsam hinter den Bäumen verschwanden. Wieder wünschte sich Laila, daß ihr Körper sich in Luft auflösen würde, um dem Blick von Luzifer zu entkommen. Als sie sich zögernd zu ihm drehte lächelte er. Verwundert starrte sie ihn an.