Kurzgeschichten

Das alte Tagebuch

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Bild der Geschichte

Der Reisende

Auf dem Weg nach Bree weht ein altes Stück Pergament an dir vorbei. Kaum das du es gesehen hattest trägt dich dein Pferd wieder außer Sichtweite. Schnell ziehst du an den Zügeln, dein Pferd bleibt ruckartig stehen. Mit einem eleganten Sprung berühren deine Füße den erdigen Boden. Er ist vom kürzlichem Regen leicht aufgeweicht. Deine Schritte führen dich zu dem Ort wo das Pergament hin geflogen sein müßte. Nach einer kurzen Suche findest du es, in einem dornigem Busch verfangen.
Dem ersten Eindruck zu folge ist das Stück sehr alt. Die Tinte auf ihm ist verblaßt, nicht mal der Regen konnte den alten sehr feinen Buchstaben etwas anhaben. Schwer ist etwas zu erkennen und obwohl es wie eine Elbenhandschrift aus sieht sind die Buchstaben eindeutig aus dem menschlichem Alphabet. am unterem Rand der Seite befindet sich eine kleine Zahl. Nach genauerer Untersuchung bist du dir sicher das es eine Seite aus einem Buch sein mußte.
Allzu lange konnte es der Witterung nicht ausgesetzt sein, das Buch mußte noch irgendwo liegen.
Neugierig geworden sucht du die weitere Umgebung ab. Nach einem Blick in den Himmel merkst du das es bald wieder zu regnen beginnen würde. Du hattest ursprünglich vor, noch bevor die Nacht einbricht, im tänzelndem Pony ein Zimmer gemietet zu haben. Es war ein anstrengender Tag mit vielen Prüfungen und harten Kämpfen. Deine Gefährten würden auf dich im Pony warten.
In Gedanken, an einem geselligem Abend mit gutem Bier, schöner Barden Musik und Gelächter mit Freunden, wärst du beinahe auf das getreten was du gesucht hast.
Es ist ein altes Buch mit rotem Leder-Einband. Die Verarbeitung ist überragend gut und es wurde offensichtlich sehr häufig benutzt. Als du es aufklappst erkennst du das einige Seiten fehlen. Die Schrift verändert sich leicht und auch die Tinte mit der geschrieben wurde. Die Endstehungs-Geschichte des Buches muß sehr lang gewesen sein. Leider haben viele Seiten erheblich unter dem Wetter gelitten. überrascht stellst du fest das die letzten Einträge in deiner Sprache verfaßt wurden. Auch sind die Buchstaben klar genug das du sie lesen kannst.

"Ich weiß nun das ich sterben kann, Stück für Stück. Bald werde ich nur noch eine leere Hülle sein, die Ziellos umher wandert und allen anderen vor spielt ein normaler Mensch zu sein. Es macht keinen Sinn mehr dieses Tagebuch weiter zu führen. Es spielt keine Rolle mehr ob ich mich an etwas Erinnere und ich brauche es auch nicht mehr um bewußt die Zeit zu erleben. Die Zeit ist mir gleichgültig geworden. ...
Einsamkeit ist etwas das ich seit Jahren nicht mehr spühre, und auch alle anderen Gefühle die ein Mensch haben sollte. Darum, und weil mich nichts mehr hält, werde ich mich auf Reisen begeben mit dem Ziel etwas zu bewirken. Etwas zu verändern und zu verhindern. Und sollte ich bei dem Versuch Mittelerde zu beschützen sterben, so ist es mir recht."

Ein kalter Schauer jagt dir über den Rücken. Dabei weißt du nicht ob es das Gelesene oder der Regentropfen in deinem Nacken war. Die Wolken am Himmel verdunkeln sich. Kleine Tropfen fallen durch die Blätter der Bäume, unter denen du stehst. Dein Pferd macht mit einem lauten wiehern auf sich aufmerksam. Du steckst das Buch in eine Seitentasche am Gurt deines Pferdes und hüpfst auf seinem Rücken.
Im Galopp reitest du nach Bree. Die Tore sind schon am Horizont sichtbar, bald auch die Wachen davor. Der Regen entwickelt sich zu einem ausgewachsenem Sturm, der dir immer wieder die Kapuze deines Umhanges vom Kopf reißt.
Nur wenig später bindest du dein Pferd im Stall fest. Nachdem du dich um ihn gekümmert hast bindest du den Gürtel von ihm ab und marschierst zum tänzelndem Pony. Deine Gefährten sitzen schon zusammen an einem Tisch mit einem Leib Brot und erzählen sich von ihren Taten am Tag. Einer von ihnen ist Historiker. Er wird bestimmt große Freude mit dem Buch haben, daß du gefunden hast.
Kurz denkst du an den seltsamen Text den du aus ihm gelesen hattest. Ein leichtes Zweifeln überkommt dich, was aber sofort vom warmen Wind vertrieben wird welches von der Feuerstelle zu dir ins Gesicht strömt.