Kurzgeschichten

Das alte Tagebuch

Seite 1   Seite 2   Seite 3   Seite 4   Seite 5   Seite 6
Seite 7   Seite 8   Seite 9   Seite 10   Seite 11  


Bild der Geschichte

Der Freund

Irgendwie scheint dich das alte Buch in den Händen des Autionators zu feßeln. Es sieht sehr alt und oft gebraucht aus. Eine Freundin von dir hätte bestimmt eine helle Freude daran. Sie liebt alte Artefakte und kann erstaunliche Dinge mit deren Hilfe erschaffen. Da du sie heute Abend treffen wolltest ist das ein nettes Geschenk für sie.
“Verkauft ihr das Buch?„ fragst du vorsichtig. Der Autionator nickt und nennt den Preis, dann fängt er an das Buch anzupreisen und zu beteuern das es jedes Silberstück wert ist. Als er dann auch noch erwähnt das es von einer Elbin geschrieben wurde bist du dir sicher das der Inhalt des Buches intereßant sein mußte. Die Elben haben dich schon immer fasziniert. Sie haben ein unheimliches Wißen angesammelt, sind sehr elegant und dennoch gefährlich stark. Zwar hast du schon viele Elben gesehen aber hast dich noch nie wirklich mit einem Unterhalten. Das Tagebuch ist die Gelegenheit einen Elben kennen zu lernen.
Im tänzelndem Pony hast du ein Zimmer belegt. Bis zum Abend hast du genügend Zeit um in dem Buch zu lesen. Die ersten Seiten sind in einer Sprache die du nicht verstehen kannst, die letzten aber kannst du ohne Probleme lesen, jedenfalls das was von ihnen übrich geblieben ist.
Der Himmel färbt sich rosa als du bei den letzten Seiten angekommen bist.

“Unsere Kleine ist das schönste was es auf der Welt geben kann. Sie bringt so viel Freude in unser Leben. Gestern hat Luka mit ihr im Waßer geplantscht. Ich war im Dorf, unsere Vorräte aufstocken. Wäre ich dabei gewesen hätte ich fürchterlich geschimpft. Sie kann noch nicht schwimmen und so was ist viel zu gefährlich für sie. Luka aber hat beschwört das er genau aufgepaßt habe. Morgen besuchen wir eine liebe Tante. Die Kleine hat großen Gefallen an ihr gefunden. Ich werde manchmal richtig eifersüchtig wenn ich die beiden sehe.„

Jemand klopft an der Tür. Es ist ein Junge mit einem Tablett in den Händen. Auf ihm wurden Brot, Wurst und ein Krug Waßer gestellt. Es ist dein Abendeßen, was bedeutet das du dich bald mit deiner Freundin treffen wolltest. Neugierig schaust du nach wie viele Seiten das Buch noch hat. Mit einem Gemisch aus Erleichterung, daß du es noch rechtzeitig fertig bekommst und Bedauern das es nur noch zwei lesbare Seiten sind, wendest du dich erstmal deinem Abendeßen zu.
Etwas zu schnell schlingst du das Brot runter und verschluckst dich dabei. Mit dem Waßer bekommst du zwar wieder etwas Luft, fühlst dich aber schwer und überfahren. Nach einem eiligen Blick aus dem Fenster um die Himmelsfarbe zu überprüfen, schnappst du das Buch und versucht besonders schnell den letzten Teil zu lesen.

“Ich war zu verwirrt um zu begreifen das ich den Sprung vom Waßerfall überlebt hatte. Irgend jemand gratulierte mir zu meinem Glück. Das Bett in dem ich lag war viel zu weich und warm. Ich wäre am liebsten auf gestanden und hätte den nächsten Hügel zum runter springen gesucht. Aber meine Arme und Beine wollten sich nicht bewegen.
Schlimmer als das waren meine Gedanken die mich unkontrolliert das diese Schrecklichen Bilder erinnerten. Ich konnte nichts tun um sie zu vertreiben, nicht mal sterben durfte ich!
Sie haben mich nach meinem Namen gefragt. Ich wußte genau welchen ich von nun an tragen wollte. Seid dem werde ich beobachtet. Morgen bringen sie mich in ein anderes Dorf, indem ich leben soll. Es gibt keinen schlimmeren Fluch als den sterben zu wollen, aber es nicht zu können.„

Verwirrt über diese dramatische Wende suchst du noch einmal im ganzen Buch nach der fehlenden Seite. Sie ist nicht auf zu finden, so wie viele andere Seiten. Unzufrieden liest du den letzten Abschnitt auf der nächsten Seite und auch hier scheinen wieder Seiten zu fehlen.

"Ich weiß nun das ich sterben kann, Stück für Stück. Bald werde ich nur noch eine leere Hülle sein, die Ziellos umher wandert und allen anderen vor spielt ein normaler Mensch zu sein. Es macht keinen Sinn mehr dieses Tagebuch weiter zu führen. Es spielt keine Rolle mehr ob ich mich an etwas Erinnere und ich brauche es auch nicht mehr um bewußt die Zeit zu erleben. Die Zeit ist mir gleichgültig geworden. ...
Einsamkeit ist etwas das ich seit Jahren nicht mehr spühre, und auch alle anderen Gefühle die ein Mensch haben sollte. Darum, und weil mich nichts mehr hält, werde ich mich auf Reisen begeben mit dem Ziel etwas zu bewirken. Etwas zu verändern und zu verhindern. Und sollte ich bei dem Versuch Mittelerde zu beschützen sterben, so ist es mir recht."

Du schlägst das Buch zu und verstaust es stumm. Auf der letzten Seite hat die Halbelbin ihren Namen verraten.