Kurzgeschichten

Das alte Tagebuch

Seite 1   Seite 2   Seite 3   Seite 4   Seite 5   Seite 6
Seite 7   Seite 8   Seite 9   Seite 10   Seite 11  


Bild der Geschichte

Der Gehilfe

Eigentlich wolltest du etwas über die Buchbinderei lernen und gerade wo ein so altes Buch rein gekommen ist das völlig neu geschrieben und gebunden werden muß, wäre es eine einmalige Gelegenheit gewesen. Aber stattdeßen mußtest du erst den Boden wischen und nun verlorenen Seiten hinterher jagen, die der Regen eh vernichtet hatte. Zum Glück hat dir dein Meister ein Bree Pferd geliehen. Auf ihm reitest du nun den Weg zur Bree Siedlung ab.
Die Sonne scheint so hell als ob sie sich für das schlechte Wetter entschuldigen wollte. Auf der Wiese und an den Sträuchern glitzert noch der Morgentau wie kleine Diamanten. Nicht eine Wolke bedeckt den Himmel. Das Pferd ist nicht besonders schnell und doch rauscht laut an deinen Ohren der Wind vorbei. Gerade als du anfängst den Ausritt zu genießen, erreichst du die beschriebene Stelle.
Der Boden ist weich und matschig. Selbst wenn direkt vor dir eines der Seiten liegen würde, so würdest du nicht danach greifen wollen. Der Saum deiner Hose saugt sich langsam mit dunklem Waßer voll. Verärgert schlägst du ihn um. Ein flüchtiger Blick, und du hast einen dicken Zweig gefunden an dem du dein Pferd anbinden kannst. Nun machst du dich auf die hoffnungslose Suche.
Es vergeht einige Zeit bis du überzeugt bist, daß deine Heimreise nicht zu übereilt wirkt. In den Taschen des Pferdes kramst du eine Reiseration heraus und setzt dich auf einen großen flachen Stein. Er ist mit Moos überwuchert der sich vom Sonnenlicht aufgewärmt hatte. Zufrieden sinkst du zusammen und genießt die Sonne auf deiner Haut und den Bißen in deinem Mund.
Als du mit dem Fuß zu einer Melodie wippst, die dir nicht mehr aus dem Kopf geht, hörst du ein leises fremdes Rascheln. Nachdem du genauer hinsiehst entdeckst du einen Fetzen Papier der sich unter dem Stein zwischen dornigem Gebüsch verfangen hatte. Er war fast nicht zu sehen und bestens vom Wetter der Nacht geschützt. Vorsichtig versucht du das Papierchen zu lösen. Als es in deinen Händen liegt bist du dir sicher das es genau das ist weswegen dich der Meister los geschickt hatte. Neugierig streichst du es aus und versucht die Zeichen zu entziffern. Zwar sind deine Kenntniße in alte Sprachen noch nicht so umfangreich wie die des Meisters aber es reicht aus um den Inhalt der Seite zu verstehen.

“Ich habe alles gepackt was ich brauche um mein Dorf zu verlaßen und meinen Vater zu suchen. Ich kenne nur seinen Namen und das er in einer der Nachbardörfer leben soll. Ich hoffe ihm ist nichts zu gestoßen, er ist alles was von meiner Familie geblieben ist. Die Elbenkriege sind auch für uns Menschen sehr gefährlich. Ich verstehe nicht warum er das Dorf verlaßen hat. Hier sind wir zwar auch nicht völlig sicher aber unter Elben ist es noch gefährlicher.
Ich glaube ich kann meinen Kummer über Mutters ... Jedenfalls gibt mir der Gedanke Kraft das da noch jemand ist.

- Es sind nun einige Tage vergangen und außer Elben bin ich keinem Begegnet. Im letzten Dorf aber konnten sie mir sagen wo mein Vater ist. Sie sahen mich verständnislos an, als ob ich ihnen ein Märchen erzählen wollte. Bald werde ich mein Ziel erreicht haben.„

An dieser Stelle ist der Text von den Dornen zu stark zerfetzt worden. Auch wenn das übersetzten sehr anstrengend und langsam war, so hättest du doch gerne mehr über den Elbenkrieg erfahren. Nochmal schaust du unter dem Stein genauer nach. Die Seite war sehr versteckt. In der Hoffnung etwas finden zu können greifst du mitten in den Dornenbusch hinein und schiebst die Zweige beiseite. Wenn du wieder in Bree bist, willst du deiner Schwester einen riesen Dank für die tollen Handschuhe außprechen.
Nach einigen verzweigten ästen erkennst du tatsächlich einen weiteren Fetzen. Nachdem du diesen befreit hast mußt du leider feststellen das er noch stärker unter den Dornen gelitten hatte. Mit etwas räzelei schaffst du es aber auch diesen Text zu lesen.

“Von weitem war das Haus zu erkennen. In dem Moment glaubte ich zu wißen warum mein Vater diese herrliche Gegend unserem armen Dorf vor zog. Doch ich irrte. Es war nicht die Umgebung welche ihn hier ins Elbendorf trieb, es war die Tatsache das auch er ein Elb war! Wie konnte sich meine Mutter nur auf so einen Arroganten und Ignoranten Elb einlaßen? Er behauptete meine Mutter nicht zu kennen, aber ich sah an seinen Augen das er lügte. Ich bin ein Halbelb! Kein Wunder das mich alle verachteten und ich kann es ihnen nicht einmal verübeln. Es erklärt warum ich anders bin, und ich gäbe alles um ein normaler echter Mensch zu sein, wirklich alles.„

Verärgert das nichts über die Elbenkriege geschrieben wurde machst du dich auf den Weg zurück nach Bree.