Kurzgeschichten

Portal

Ich erinnere mich noch sehr gut an das was schon so lange zurück liegt, dabei kann ich nicht mal genau sagen ob es wirklich geschehen ist. Es war ein warmer Sommertag als es zum ersten mal geschah ...

Wir besuchten den See, außerhalb der Stadt. Er war umgeben von vielen Pflanzen Büschen und Bäumen. Insekten flogen durch die Luft und die Sonne spiegelte sich auf der bewegten Waßeroberfläche. Maja, meine beste Freundin hatte großen Spaß am tauchen. Ich war am Ufer und ließ meine Füße im Waßer baumeln. Immer wider hüpften die anderen ins Waßer, kletterten raus und hüpften wieder hinein.
Plötzlich rief einer nach Maja.
"Wo ist sie? Ich habe sie schon lange nicht mehr gesehen! Hoffentlich ist ihr nichts paßiert."
sagte Kim besorgt. Er blickte in den Himmel "Wir sollten auch wieder zurück gehen."
Ich machte mir erst keine all zu großen Sorgen. Maja konnte lange tauchen und liebte es uns so einen Schrecken einzujagen. Doch nirgends war sie zu sehen. Die Waßeroberfläche war still. Schnell kniete ich mich auf dem Boden und steckte den Kopf unter Waßer um sie zu suchen. überall waren Pflanzen und ich bekam Angst das sie sich irgendwo verfangen hatte. Plötzlich sah ich einen Schatten, der Maja hätte sein können. Ich drehte meinen Kopf schnell um, doch meine Haare umschlangen so mein Gesicht das ich nichts mehr sehen konnte. Als ich sie wegstreifen konnte war der Schatten verschwunden.

Zuhause versuchte ich mich von den naßen Sachen zu befreien. Maja war nicht mehr aufgetaucht. Es war Abend und so mußte ich bis morgen warten um die Polizei zu informieren. Auf einem Bein hüpfend, um die Hose auszuziehen, kam ich am laufenden Fernseher vorbei. Es waren grade die Nachrichten am laufen. Ein Mann mit Anzug und roter Krawatte berichtete von dem Verschwinden mehrerer Leute. Es wurde Bilder einiger Menschen gezeigt und immer wieder gebeten bei Hinweisen sich zu melden. Ich starrte auf den Bildschirm, wißend das meine Freundin das gleiche Schicksal ereilt hatte.

Es vergingen einige Tage aber niemand konnte herausfinden was mit den menschen paßiert. Viele hatten schon Angst ihre Häuser zu verlaßen, keiner traute sich alleine in die Stadt zu machen. Mit einem sehr unguten Gefühl und noch immer mit den Gedanken bei Maja und den anderen Verschwundenen ging ich einkaufen. In beiden Händen hielt ich die schweren Tragetaschen. Die Menschen deßen Wege sich mit meinen Kreuzten wirkten nervös und in sich gekehrt. Keiner sah den anderen an. Auch mein Blick war auf den Boden gerichtet, doch etwas brachte mich auf zu blicken. Ohne zu wißen warum sah ich einen älteren Herren an.
Mit Melone auf dem Kopf, einer Brille auf der Nase und grauem Haar sah er ins Leere. Er bewegte sich nicht, die anderen Menschen gingen unbekümmert an ihm vorbei.
Dann schimmerte etwas in seiner Augenhöhe mitten in der Luft. Ein stark unförmiger Kreis aus blaßen Regenbogenfarben öffnete sich. In deßen Mitte war etwas verschwommenes, wie unter einer Eißchicht. Etwas muß den Mann aus diesem Kreis anblicken, den dieser starte nur emotionslos zurück. Der Kreis wurde immer größer, bis er den Boden erreichte. Meine Augen weiteten sich vor entsetzten als der Mann mit einem Wimpern schlag verschwunden war, mit ihm das Portal.
Niemand hatte etwas bemerkt, es war als ob es nie geschehen war.

Ich schüttelte mich und ging meinen Weg weiter.
"Bitte laß das nicht vor mir erscheinen, bitte bitte laß das nicht ..." dachte ich verzweifelt doch es war zu spät. Mein Körper war steif und mein Blick starr auf das was vor mir war. Ich wußte das mir niemand helfen würde, das niemand mich weg reißen würde. In den Regenbogenfarben umrandet war undeutlich ein Gesicht zu erkennen. Es fixierte mich bis auf einaml alles um mich im weißen Licht verschwand. Ich kippte nach hinten, fiel, drehte mich bis das Licht verschwand und eine blaue Wolkendecke mir weißen weichen Wolken frei gab.
Ich fühlte das ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Langsam folgte mein Blick den Wolken zum Horizont hinunter auf die Erde.

Ich stand auf einem hohen Hügel der mir die Sicht auf eine art Wildwesten Stadt bietete. Zwei Häuserreihen streckten sich in die Länge und viel zu viele Menschen tummelten sich umher. Sie drängten sich von einem Gebäude zum anderen. Es wiederstrebte mir sehr mich in diese Menge zu begeben, aber um heraus zu finden was paßiert war mußte ich es. Zielsicher schob ich mich in Richtung eines großen Hauses. Es hatte eine Schwingtür wie man sie aus so vielen Western kennt. Auch im Gebäude waren Unmengen von Menschen. Ich hatte fast das Gefühl das sie sich stapeln würden.
Bald stand ich vor einem Pult, hinter dem ein großer breiter mann mit kleiner Lesebrille saß. Vor ihm lag ein riesiges Buch das fast den gesamten Tisch einnahm. Es war mit dicken schwarzen Leder gebunden und hatte tausende vergilbte Seiten. Vorsichtig stellte ich mich auf Zehenspitzen und versuchte zu lesen was da geschrieben stand. Ich erkannte das es eine Liste war. In der Kopfzeile stand immer das Gleiche darunter Namen. Langsam sha ich auf die für mich auf den Kopf stehenden Buchstaben ...

"TOD?" rief ich verwirrt.
"Dein Name bitte." sagte der Mann mit rotinirter Stimme.
"Nein, nein! Das ist ein Irrtum, ich kann nicht tot sein. Das ist nicht richtig." erklärte ich mit leichter Panik. "Dein Name bitte." wiederholte der Mann.
Verzweifelt versuchte ich ihm klar zu machen das ich hier nicht hin gehöre doch dann murmelte ich kleinlaut meinen Namen. Er schrieb ihn in die Liste und mit jedem Strich war es ein Meßerstich für mich. Mein Name stand da, es war endgültig und unwiderruflich ... Ich war tot.

"Hier ist dein Monatsgeld" sagte der Mann. Er reichte mir einen Lederbeutel mit einigen Münzen drin.
"Es sind 100 Münzen, komme in einem Monat wieder, dann bekommst du neue." verwirrt sah ich den Beutel an. Durch all den Lärm war auf einmal eine Stimme zu hören, die meinen Namen rief. Meine Schwester Lara drängte sich durch die Menge zu mir.
"Lara, was machst du den hier?" fragte ich erstaunt.
Sie strahlte mich an und nahm mich an die Hand.
"Na ich bin auch tot, wie du. Komm mit, ich zeige dir alles." Und so zog sie mich weiter.

Wir kamen an einem kleinen Tisch an an der eine Maschine stand, ähnlich wie eine komplexe Kaffeemaschine. "Ich liebe Bananensaft." erklärte sie und zeigte auf das seltsame Gerät.
Sie nahm ein paar Münzen und steckte sie hinein. Es ratterte und ein Pappbecher mit schaumigen gelblichen Saft kam hervor. Sie nahm es und trank genüßlich einen Schluck. Ich schaute mir das Gerät genauer an.
"Was? Ein Bananensaft kostet 80 Münzen! Da reicht doch das Geld den Monat nicht aus, wie soll man da den überleben?"
Belustigt sah mich Lara an.
"Du, der Bananensaft ist reiner Luxus, du bist doch schon tod, wie willst du da noch verhungern?"
Erst jetzt fielen mir wieder die Portale ein, weswegen ich hier gelandet war.
Ich erzählte Lara davon.
"Ja ich weiß" sagte sie traurig. "Das paßiert in letzter Zeit öfter, es sind Menschen die versuchen wieder zurück zu gehen."
"Zurück gehen? Meinst du sie werden wieder lebendig?" Lara nickte.

Ich wußte weder wie noch warum, aber ich konnte hier nicht bleiben. Ich mußte in die Welt der Lebenden und einen "Tausch" vollziehen.
Wenig später fand ich mich in einer Einkaufstraße wieder. Viele Menschen drängten sich durch die Geschäfte und Wege. Ich sah sie mir genau an. Ich wagte mich nicht zu begreifen was ich tun würde, es hätte mich nur abgehalten. Ein junger Mann in wilden Klamotten und knallig gefärbten Haaren drängelte sich forsch durch die Einkaufenden. Er machte einen unhöflichen Eindruck auf mich und so hatte ich mich direkt vor ihm gestellt. Er schien es bemerkt zu haben, den er war still, steif vor mir stehen geblieben. Seine Augen sahen direkt in meine, obwohl ich wußte das er nichts sah. Ich hob meine Hände vor seinem Kopf und griff in die Luft. Wie ein Vorhang zog ich etwas Regenbogenfarbenes auseinander und in der Mitte des Kreises sah ich verschwommen sein Gesicht. Doch bevor ich das Portal weiter öffnen konnte hörte ich eine Stimme.
Es war seine Stimme ... nein es waren Seine Gedanken, sein Geist.
"Sie wartet auf mich, ich darf nicht zu spät kommen!" und eine unendliche Sehnsucht wie Verzweiflung durchflutete meinen Körper und ich wußte das es seine Sehnsucht und seine Verzweiflung war. Das Portal rutschte mir aus den Fingern und verschloß sich wieder. Der junge Mann rannte weiter, als ob nie etwas gewesen wäre.

Ich konnte nur da stehen und versuchen das zu ignorieren was ich eben gefühlt hatte. Mit einem kräftigen schütteln setzte ich meinen Fuß vor den anderen bis das laufen von alleine gehen wollte. Etwas später sah ich ein Kind mit der Mutter auf einer Bank sitzen. Die Mutter war genervt aufgestanden.
"Dann wartest du hier, bis ich wieder zurück komme! Und wehe du bist dann nicht mehr da." schimpfte sie und das Mädchen verschränkte die Arme und starrte schmollend auf dem Boden. Wut-tränen rannen ihr über die Wange. Die Mutter war fast verschwunden als das Mädchen ihr hinterher rief. "Ich haße dich!"

Ich konnte kaum glauben das dieses Mädchen so etwas zu seiner Mutter gesagt hatte. Fast selber wütend ging ich auf das kleine Göhr zu. Langsam öffnete ich vor ihr ein Portal. Auch sie sah mir in die Augen, durch diese neblige, eisige Schicht und wieder hörte ich eine leise Stimme.
"Ich will zu Papa" sagte sie weinend. Ich wußte das heute ihr Geburtstag war und sie sich nichts mehr wünschte als ihren Vater zu besuchen, denn sie so lange nicht mehr gesehen hatte. Aber die Mutter hatte es verboten. Wut und Trauer waren bei ihr so groß das ich den Halt verlor und zu Boden viel.
Das Portal war wieder geschloßen.
Entsetzt und schwer Atmend saß ich vor dem Kind, deßen Leben ich so unfair eben beenden wollte. Sie hatte dann nie wieder ihren Vater gesehen.

Nur langsam erholte ich mich von dieser Begegnung. Es war mir nun klar das ich kein Portal mehr werde öffnen können. So versuchte ich mich mit meinem Ende abzufinden. Doch in der Sekunde sah ich meinen eigenen Vater. Er öffnete die Türen eines Autos damit seine Begleiter Platz nehmen könnten. Sie führen in ein Schwimmbad, das wußte ich. Schnell, bevor er die Türen schloß, hüpfte ich ins Auto.

Es war eine Riesige Schwimmhalle, mit Pflanzen, Restaurants und einer Live Sängerin. Während mein Vater das tat weswegen er hier war blickte ich hoch zur Sängerin. Sie hatte ein enges rotes und glitzerndes Abendkleid an. Ihre langen schwarzen Haare trug sie offen und tupiert. Aber etwas in ihrer Stimme war, das mich störte. Sie war eine zickige egoistische Diva.
Warum ich das alles wußte kann ich heute nicht mehr sagen auch nicht warum bei ihr das Portal gelang, welches ich öffnete, sobald ich bei ihr ankam. Ich sah in sie hinein doch da war nichts das sie hätte retten können. Das Portal wurde größer bis zum Boden. Ich streckte meine Arme nach ihr aus und versuchte sie zu mir hinein zu ziehen. Gleichzeitig wollte ich hinaus, wollte wieder leben und in die Augen meines Vaters blicken und wißen das er auch meine sehen wird.
Es war als ob ich in das enge Kleid der Sängerin mich zwängen würde und es brauchte sehr viel mühe. Nur Zentimeter für Zentimeter kam ich durch. Dann lag ich auf dem Boden, mein Körper schmerzte sehr, aber ich lebte.

Als ich hoch sah stand da mein Vater. Er sah mich an. Ich sprang auf, rannte zu ihm und umarmte ihn, das konnte ich, den ich war am Leben.